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MockUp All the Feelings We Hide - Hearts of Paris 4

All the Feelings We Hide - Hearts of PAris

KAPITEL 1 – FLEUR

Andere genießen den Valentinstag bei Kerzenschein in einem romantischen Bistro mit Aussicht auf den Eiffelturm. Sie bekommen die Rosen, von denen ich heute unzählige bei uns im Blumenladen verkauft habe, schwören sich ewige Liebe und verbringen hinterher eine unvergesslich zärtliche Nacht miteinander. Ich dagegen verbringe meine Nacht alleine auf dem Dachboden eines alten Cafés und darf dabei nicht erwischt werden.

Der Geruch nach Regen drängt durch die Ritzen zwischen den Dachbalken, ich liege auf einer Matratze auf dem Dielenboden, schalte meine Taschenlampe ein, ziehe die Bettdecke fester um meinen Körper und hoffe, dass meine Füße in den Wollsocken bald wärmer werden. In der Ferne grollt ein Donner, draußen trifft der nahende Frühling auf die eisige Februarluft, wie mein bisher romantisches Herz auf meine neue Leidenschaft trifft: Feuerheiße Kerle, die ich heimlich mit meinem Instagram-Account anschmachte.

Das unheilvolle Dröhnen des Donners über Paris könnte eine symbolische Warnung sein. Weil Luna nicht weiß, dass ich in ihrem Café übernachte, und weil ich sie in all den Jahren unserer Freundschaft kein einziges Mal angelogen habe. Aber es ging nicht anders. Ich musste weg von meinen Eltern, weg von zu Hause, von dem Kerzenschein und der sanften Klaviermusik. Weg von der Romantik, die nicht nur am Valentinstag unsere kleine Pariser Stadtwohnung füllt und die mein Herz schon eine ganze Weile schwer werden lässt. Weil ich lieber hier liege, statt bei ihnen zu sein. Weil ich lieber ein bisschen friere und mit meinem Fake-Account durch Instagram scrolle. Und weil mein Körper statt auf Gedichte und Kerzenschein schon seit einer Weile auf die Thirst Traps reagiert, die mir der Algorithmus zuverlässig anzeigt. Auf nackte Haut, rotes Licht, gestählte, männliche Bauchmuskeln und auf die eindeutigen, ziemlich heißen Bewegungen, die von meinem Handydisplay in die Dunkelheit leuchten.

Ich scrolle weiter, bis ein vertrauter Sound ertönt. Früher konnte ich romantische Filme mitsprechen. Titanic. Romeo und Julia. Susi und Strolch. Ich erkannte sogar die Filmmusik an den ersten Tönen. Heute erkenne ich den Song, den die meisten Thirst Trap Creators verwenden, nach zwei Sekunden. Sich lasziv steigernde Beats untermalen das Video eines Typen in Anzughose und gebügeltem weißen Hemd. Er lehnt sein Handy an, macht zwei Schritte zurück, setzt sich auf sein Sofa. Dann hebt er sein Bein, lässt seinen Schuh so über die Kamera fahren, dass sie für eine Millisekunde verdeckt ist und das Bild schwarz wird. Dann passiert das Gleiche rückwärts. Die Kamera wird wieder freigegeben und der Kerl ist bis auf enge Boxer Briefs nackt. Rotes Licht fließt von oben auf seine Bauchmuskeln, eine Militärkette blitzt auf, er öffnet seine Beine ein wenig, die Boxer Briefs spannt. Er hebt die Hüfte ein Stück an, um sich anders hinzusetzen, und meine Augen saugen sich daran fest. Die Bässe werden schwerer, und das Video startet von vorne. Ich weiß nicht, wie oft ich es abspiele, aber es ist so verflucht heiß.

Irgendwann lande ich auf einer anderen Thirst Trap, bei der zwei Männer auf die Kamera zukommen. Ihre Oberkörper sind nackt, und ich weiß gar nicht, wen von beiden ich zuerst ansehen soll. Langsam nähern sie sich, ich stelle mir vor, wie sie auf mich so zukommen, presse meine Beine fester zusammen und ziehe meine Unterlippe zwischen die Zähne. Einer streckt die Hand aus, als würde er mich festhalten, während der andere … okay, das ist zu viel. Schluss. Ende.

Ich drehe mich auf die Seite, schließe Instagram und tippe auf das Logo von L’Ètincelle. Die Datingapp, in der ich gestern ein Match mit Henri hatte.

Ich sollte ihm zurückschreiben, weil ich dringend einen Freund brauche. Einen, der die Kerzen in meinem Bauch wieder anzündet, die Fasern meines Herzens romantisch zum Knistern bringt und diese harten Kerle aus meinen Gedanken vertreibt.

Optisch sieht Henri meinem früheren Celebrity Crush Louis Partridge ähnlich. Liebevolles Lächeln, warme Augen, verwuschelte Haare, leicht gerötete Wangen. Ich glaube, sein Profilfoto wurde auf einer Weihnachtsfeier aufgenommen. Ein geschmückter Christbaum steht hinter ihm, eine Lichterkette legt leuchtende Tupfen auf die sattgrünen Tannennadeln, und der Kragen seines Hemdes schaut unter seinem beigefarbenen Pullover heraus. Mit einem Glas Wasser in der Hand unterhält er sich mit jemandem. Ohne Zweifel sieht er aus wie ein Mann, der mich bei einem Filmeabend zärtlich in den Arm nehmen würde. Der liebevolle Dinge sagen und mir eine Wärmflasche machen würde, wenn ich Periodenschmerzen habe. Er sieht nett aus. Ich glaube, ich könnte mich in ihn verlieben. Und dann hört mein Herz endlich wieder damit auf, für diese harten Kerle zu schlagen, die Papa einen Herzinfarkt bereiten würden.

Salut tippe ich in das Chatfenster, um den ersten Schritt zu machen. Ich will noch mehr schreiben, aber ein Geräusch lässt mich aufhorchen. Schritte. Unten, im Kies. Direkt vor dem Café. Mein Herz beschleunigt, ich schalte meine Taschenlampe aus, sperre das Display und werde sofort von der Dunkelheit des Dachbodens verschluckt. Mein Hörsinn schärft sich, die Schritte kommen näher. Vielleicht ist es Luna. Wenn sie mich hier erwischt, muss ich beichten, dass ich Abstand zu meinen Eltern brauche – wo ihre doch schon lange tot sind. Es würde ihr Herz brechen.

Um das zu verhindern, sollte ich aufstehen und die alte Matratze, die Luna und Elliot letztes Jahr hier oben für Fotoshootings benutzt haben, zurück in die dunkle Nische neben der Tür zerren. Ich sollte meine Bettdecke wieder dahinter verstecken und mich irgendwie in Luft auflösen, auch wenn das unmöglich ist.

Stattdessen bleibe ich liegen, ziehe mir die Decke bis an meine Nasenspitze und blinzle in die Dunkelheit. Die Schatten in den Ecken sind tiefschwarz, es gibt nur ein einziges Dachfenster, über dem sich Wolken vorbeischieben. Jede Faser meines Körpers ist angespannt, weil die Schritte an der Hausmauer entlangwandern. Durch den Kies bis zu den Rosenbüschen, die den Vorgarten von dem hinteren Teil des Gartens trennen.

Jemand ist hinten am Café.

Niemals ist das Luna.

Aber wer ist es dann?

Mein Herz rast und ich quieke vor Schreck, als über mir auf den Dachschindeln ein helles Klackern ertönt. Als würde jemand Steinchen auf das Dachfenster werfen.

Panik nimmt Besitz von mir. Wer auch immer da draußen ist, weiß, dass ich hier bin.

-ENDE DER LESEPROBE. Erfahre hier mehr über das Buch: [klick]

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All the Feelings We Hide ist ein in sich abgeschlossener New-Adult-Roman und unabhängig von anderen Büchern der Hearts-of-Paris Reihe lesbar.

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